Die deutsche Prinzessin

HISTORISCHES

Eine andere Art von Piratin

Schneller Ruhm kennt viele Formen, aber wir liegen falsch, wenn wir denken es wäre ein besonderes Merkmal unseres Medien-Zeitalters. Geschichten, wie die von Mary Carleton, der angeblichen deutschen Prinzessin, die London und Port Royal im Sturm eroberte, lassen uns verwundert zurück.

Mary Carleton wurde als Mary Moders, wahrscheinlich im August 1642 in Canterbury, England, geboren. Berichte variieren hier, aber ihre Familie war wahrscheinlich aus der alleruntersten Schicht. Ein Biograf behauptet ihr Vater wäre ein reisender Musiker gewesen, der die Familie kaum ernähren konnte. Mary war ein frühreifes Mädchen mit dem Ziel einmal ein besseres Leben zu führen, was in dieser Epoche mit ihrer Herkunft nur möglich war, wenn man mit den Normen brach.

Sie heiratete jung und die meisten Quellen sind sich einig, einen Schuster namens Thomas Stedman . Natürlich sollte er nur ein Sprungbrett sein. Sie schenkt zwei Kindern das Leben, die aber kurz nach der Geburt sterben. Als wir das nächste Mal von Mary hören, ist sie in den Badeort Dover an die Küste gezogen. Hier heiratete sie erneut, einen Marinearzt, aber der Schuster fand es heraus und sie wurde wegen Bigamie festgenommen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Gefängnis wurde die Untersuchung eingestellt. Auf einer Reise nach Köln, lernte sie einen deutschen Adligen kennen, der sie mit Geschenken überhäufte und sich um ihre Hand bemühte. Statt ihn zu heiraten floh sie mit den wertvollen Geschenken und der Kasse ihrer Gastwirtin.

1663 tauchte Mary in der Taverne „Exchange“ in London auf. Sie behauptete jetzt, ihr Name sei Mary, Prinzessin von Wollweg und das Kind eines wohlhabenden Adligen aus Köln, Deutschland. Ihr böser Vater wollte sie gegen ihren Willen mit einer alterschwachen Mumie verheiraten und sie sei in Lumpen gekleidet nach London geflohen. Lieber wolle sie auf ihr Vermögen verzichten, als in Unglück mit einem ungeliebten Ehemann zu leben. Die Seemänner in der Taverne schluckten die Geschichte und bald genoß Mary, die deutsche Prinzessin, alle Vorzüge, die ein Mädchen sich erträumte. Auch einen neuen Ehemann, den Bruder des Tavernenbesitzers, John Carleton.

Wahrscheinlich der hartnäckige Schuster, zeigte sie erneut an und es kam zu einem spektakulären Prozess. Mary bestand darauf, sie wäre wirklich eine deutsche Prinzessin und schmückte die Geschichte noch weiter aus. Sie behauptete auch John Carleton hätte sich ihr gegenüber als Lord ausgegeben und als er herausgefunden hatte, dass sie keine Vermögen besäße, würde er sich jetzt aus der Ehe stehlen wollen. Artikel wurden veröffentlicht, darunter auch einer, von ihr selbst geschrieben aus dem New-Gate-Gefängnis mit dem Titel „Der Fall von Madame Mary Carleton“. Wohlhabende Prominente kamen zur Verhandlung und sogar King Charles II setzte sich privat für die arme missverstandene Prinzessin Mary ein. Schließlich wurde sie freigesprochen.

Die Welle des Ruhms umspülte Mary noch für einige Monate. Als ein Neubeginn als Schauspielerin in einem Stück über ihr eigenes Leben sie langweilte, begann sie wieder dem Geld hinterherzujagen. Nie von ihrem ersten Mann geschieden, heiratete sie zwei weitere Male und nahm ihre Gatten ordentlich aus. Schließlich wurde es der Gerichtsbarkeit von London zu viel nachdem ein Goldschmied sie wegen Silberraubs anzeigte. Mary Carleton wurde in die Jauchegrube des Lasters und Verbrechens verbannt, wo die englischen Taschen mit spanischem Gold gefüllt wurden: Port Royal.

Mary kam 1671 in Jamaika an, der Hoch-Zeit des Seeräubers Henry Morgan. Für ein kluges Mädchen, das keine Skrupel hatte, waren die Straßen von Port Royal mit Gold bedeckt. Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, dass das Wort Skrupel in Marys Wortschatz nicht vorkam. Sie schröpfte die „tyrannischen Rohlinge“, wie sich die Piraten hier selber nannten, und brachte sie um ihr ergaunertes Gold. Ihre Zunkunft wollte Mary allerdings wieder in London verbringen.

Ihre Zeit in Port Royal dokumentierte Mary meistens selbst. Sie schrieb einige Artikel, die sie immer mit „Nachrichten aus Jamaika in einem Brief aus Port Royal, geschrieben von der deutschen Prinzessin für ihre treuen Kameraden und Freunde in New Gate. “ titulierte. Sie erzählte wie sie von den Männern in Port Royal mit Komplimenten überhäuft wird und schwor, dass die einzige Gefahr für sie sei von der Freundlichkeit der Piraten erdrückt zu werden oder in Rum zu ertrinken. So rosig wie sie es beschrieb, waren ihre Zeiten dort natürlich nicht. Ein Zeitzeuge brachte folgendes über Frau Carleton zu Papier.“Sie war eine mannhafte Fregatte, sonst hätte sie auch nicht die zahlreichen An- und Übergriffe ertragen können. In ihrer eigenen Vorstellung eine Frau beispielhafter Züchtigkeit. In Wahrheit wurde sie so häufig benutzt wie ein Friseurstuhl. Kaum ist jemand aufgestanden, saß schon der nächste drin.“

Irgendwann im Jahre 1672 schmuggelte sich Mary an Bord eines Schiffes und landete in London. Sofort begann sie wieder mit ihrer Arbeit: Wohlhabende Männer um alles zu erleichtern, dessen sie habhaft werden konnte. Im Dezember 1672 verlies sie ihr Glück. Sie wurde verhaftet, als ein Mann, dem gerade seine Börse gestohlen wurde, sie erkannte. Als sich herausstellte, dass sie aus der Verbannung geflohen war, wurde sie zum Tode durch den Strick verurteilt. Die Tage des Ruhms und der Freisprüche waren vorbei.

Mary erwartete die Schlinge am 22. Januar 1673 im Old Baily in London. Einige ihrer früheren Verehrer und Opfer waren zu dem Spektakel gekommen. Die Hüte tief ins Gesicht gezogen oder das Gesicht hinter einer Samtmaske verborgen, dachten sie, sie würden nicht erkannt. Nachdem ihr die Eisen abgenommen wurden, heftete sie sich ein Bild ihres Gatten John Carleton an den Ärmel und wandt sich einem Gentleman unter den Gaffern zu „Mon ami, le bon Dieu vous benisse“ (Mein Freund, Gott segne sie!)

epilogue THE GERMAN PRINCESS

„I’ve passed one trial, but it is my fear
I shall receive a rigid sentence here:
You think me a bold cheat, put case ‚twere so,
Which of you are not? Now you’d swear I know.
But do not, lest that you deserve to be
Censur’d worse than you can censure me:,
The world’s a cheat, and we that move in it,
In our degrees, do exercise our wit;
And better ‚tis to get a glorious name,
However got, than live by common fame.“

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Eine Antwort zu Die deutsche Prinzessin

  1. Yves Drube schreibt:

    Spannende Geschichte!

    Gruss aus der Karibik (ohne Verbannung)

    Yves

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