Familienbetrieb

HISTORISCHES Im 17ten Jahrhundert waren es nicht nur die Frauen, die in ihren Rechten auf eine freie Bestimmung ihres Lebens beschränkt wurden, sondern auch ethnische Gruppen, die im Zuge des gnadenlosen Kolonialismus versklavt wurden. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden aus den neu eroberten Kolonien des „schwarzen“ Kontinents ganze Völker in die Plantagen der Karibik verschleppt. Unter ihnen war ein Elternteil des Piraten Laurens de Graff, auch genannt Laurens Baldran oder Laurens de Griffe. Henry Morgan beschrieb ihn als „einen großen und schelmischen Piraten“.Obwohl ihn Morgan auch als blonden gut aussehenden Hünen beschreibt, weisen andere Quellen darauf hin, dass er aus einer afrikanisch-europäischen Verbindung entstanden ist, was man in dieser Zeit als Mulatte bezeichnete. Historisch diskutiert wird auch, ob er auf einer Plantage in der Karibik arbeitete und dorthin von den Holländern verbracht wurde. Die karibischen Plantagenbesitzer hatten natürlich kein wirkliches Interesse daran, dass bekannt wurde, dass Sklaven erfolgreich entflohen. Im März 1672 tauchte verbrieft das erste Mal sein Name im Zusammenhang mit dem des Piraten auf, als eine Gruppe von Seeräubern Campeche angriffen. Die nächste namentliche Erwähnung folgte im Herbst 1679, als er eine spanische Fregatte mit 28 Kanonen kaperte, die er „The Tigre“ taufte.

1682 war de Graff so erfolgreich, dass ironischerweise Henry Morgen, der jetzt Vizegouverneur von Jamaika war, die Fregatte „Norwich“ unter dem Kommando von Peter Haywood auf seine Spur setzte. Wäre die Piratenjagd erfolgreich gewesen, wäre de Graff eine entscheidende Begegnung in seinem Leben entgangen, die mit der Französin Anne Dieu le Veut.

Anne Dieu le Veut wurde zwischen 1665 und 1675 als verurteilte Kriminelle nach Tortuga deportiert, wo sie den Seeräuber Pierre Lenght ehelichte. Der Legende nach gerieten Lenght und de Graff 1683 in einen für Lenght tödlichen Streit in einer Kneipe. Anne forderte Laurens, ganz französisch, zum Duell heraus, um den Tod ihres Mannes zu rächen. Beeindruckt durch ihren Mut und unfähig gegen eine Frau zu kämpfen, machte Laurens ihr einen Heiratsantrag.

Laurens de Graff war zu diesem Zeitpunkt noch mit Petronila de Guzman verheiratet und andere Quellen sagen aus, dass er 1683 seine in Teneriffa lebende Frau dazu bewegen wollte, in seinen neuen Heimathafen in Saint-Domingue umzuziehen. Sie blieb in Teneriffa.
Zwischen 1690 und 1695 beschloss Ludwig XIV, dass das vorwiegend von räubernden Männern und einigen käuflichen Damen bevölkerte Saint-Domingue kultiviert werden sollte. Um den Piraten die Sesshaftigkeit schmackhaft zu machen und die Produktion französischer Untertanen zu befördern, wurden 1691 fünfzig heiratswillige französische Damen eingeschifft. Unter ihnen Anne Dieu le Veut, Anne Gottes Wille. Es ist nicht abwegig anzunehmen, dass es sich um einen „Künstlernamen“ handelt. Alexandre Olivier Exquemelin erwähnt in einer kurzen Notiz, dass Anne und Laurens 1693 ein Paar wurden. Unabhängig davon, ob Anne nur hinter Laurens Gold her war oder er wirklich ihre Leidenschaft entfachte, begleitete sie, als eine der wenigen Piratinnen offen als Frau gekleidet, ihren Mann auf seinen Raubzügen.

Während des französischen Krieges gegen die vereinigten Kräfte von England und Spanien wurde Anne von den Spaniern als Geisel genommen. Ob Laurens sie mit Gold auslösen musste oder ob sein Ruhm als erfolgreicher Pirat ausreichte, um ihre Freilassung zu bewirken, ist unklar. 1699 wurde sie freigelassen.

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