Piratinnen in der Kunst – 48 Stunden Neukölln

EXKURSION Die Erwartungen waren hoch, als ich mich persönlich auf das freie Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln begeben habe, um Spuren von Piratinnen in der Kunst zu finden. Über 300 Veranstaltungsorte, darunter auch ein Boot, ließen darauf hoffen, ein rebellisches Weib als Künstlerin, als Motiv oder als Inspiration aufzufinden.

Nach einigem Herumstreunen verirrte ich mich in ein Kaufhaus auf der Karl-Marx-Straße, wo zu meiner großen Freude gerade eine Performance von Stephan Nero begleitet durch Bridge Markland startete. Bridge Marklands Performance, in der sie sich von einem Mann in eine Frau transformiert, ist mir noch gut im Gedächtnis.

Zeit für einen Abstecher ins „Alte Heimatmuseum“, wo das Thema „Horizonte“ mich neugierig machte und mehrere Installationen unter einem Dach versammelt waren. Empfangen wurde ich von dem „kunstauto im Kleid“. Diese Installation von „mehrmagda“ erinnerte mich doch sehr an eine Anekdote über Anne Bonny. Es wurde berichtet, dass sich Anne, um ein englisches Handelsschiff zu kapern, einer Inszenierung bediente, die den englischen Matrosen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ein Beiboot wurde zu Wasser gelassen. Einige Piraten mussten sich regungslos aufs Deck legen. Das Segel und die Männer wurden mit Schweineblut getränkt. Anne platzierte sich, bekleidet in einem weißen Kleid, mit Säbeln bewaffnet am Bug des Schiffes. Es war eine dunstige Vollmondnacht, und als das so präparierte Boot aus der Nebelwolke vor dem englischen Handelschiff auftauchte, ergab sich die Mannschaft kampflos.

Im alten Heimatmuseum stieß ich auf die Klanginstallation „sich erinnern…“ von Franz John. Schüler der evangelischen Schule Neukölln haben unter seiner Anleitung historische und aktuelle Geschichten aus ihrem Bezirk zusammengetragen. Hinter halbtransparenten Bildtafeln waren mp3-Player befestigt, die man selbst aktivieren konnte.Je mehr Besucher in den Raum strömten und sich eine Geschichte aussuchten, desto dichter wurde der Klangteppich. Eine Klangtafel weckte mein besonderes Interesse. Es prangte ein Bild der legendären Anita Berber auf ihr.

Der wilden Nackttänzerin aus den 20 Jahren, die mit den „Tänzen des Lasters“ ihre Zeitgenossen verwirrte. Sie kostete das Leben in vollen Zügen und starb jung … nach Piratinnenart! Hängt noch bis 11. Juli.

Eine Seitenstraße weiter „Kunst von der Rolle“, dabei eine mit Kohlezeichnungen von Peter Hock. Köpfe mit Fratzen, wie sie einem Albtraum oder einer Höllenfantasie entsprungen sind. So müssen die Engländer gefühlt haben.


Jetzt war es aber Zeit einen Zwischenstopp beim Gastgeber des letzten Piratinnen-Dinners einzulegen, dem Broschek. Der Rum war ausgezeichnet und die Fotografien von Anne Sell, eine interessante Sammlung von Geschichten, die sich in die porträtierten Gesichter geschrieben haben. Bis zum 6. August könnt ihr euch noch selbst davon überzeugen.

Gestärkt ging es nun in die Reuterstraße. Suchtkunst in der R31 klang da sehr vielversprechend, dass das „Der Wert der Kunst“ hieß, machte da keinen Unterschied. Das bestätigte mir auch die Installation von Wolf Klein „Obst & Gemüse“, der mir bisher als sympathischer Blumenhändler bekannt war.

Zum Ausklang hatte ich mir die Installation von Claudia Simon „RAUCHZEICHEN“ im arm&sexy vorgenommen und wurde wie erwartet nicht enttäuscht. Relikte des Kommunikationszeitalters tummelten sich auf einem Holztisch, während eine Bandaufnahme die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischte. Bis Ende Juli könnt ihr noch hören und sehen!

FAZIT Es gibt sie noch, die Piratinnen in der Kunst!


noch laufende Ausstellungen:
„sich erinnern … „ Eine Klanginstallation von Franz John, Gruppenausstellung „Horizonte“
bis 11. Juli 2010; Mittwoch bis Sonntag 15:00 bis 21:00 Uhr
Altes Heimatmuseum Neukölln, Ganghoferstr 3, 12043 Berlin-Neukölln
„Die in Vergessenheit geratenen … „ Fotografien von Anne Sell
bis 6. August 2010; täglich ab 17:00 Uhr, während der WM ab 16:00 Uhr
BROSCHEK, Weichselstr 6, 12043 Berlin-Neukölln
„RAUCHZEICHEN“ Eine Installation von Claudia Simon
bis Ende Juli 2010; Mittwoch bis Freitag 14:00 bis 19:00 Uhr (Do 18:00 Uhr),
Samstag 12:00 bis 17:00 Uhr
arm & sexy, Reuterstr 62, 12047 Berlin-Neukölln
Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Piratinnen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s