Piratinnen in der Kunst- Sandbox

EXKURSION Erneut begab ich mich auf die Suche, Spuren eines rebellischen Weibs als Künstlerin, als Motiv oder als Inspiration zu finden. Der 10. Juli 2010 war kein Tag, an dem man sich freiwillig vor die Tür begeben würde. Die seit Tagen andauernde Hitzewelle hatte Berlin fest im Griff und selbst die ab 30 Grad jubelnden Sonnenanbeter, verstummten langsam in der Sommerglut. Wahrscheinlich waren sie mittlerweile vertrocknet.

Die Landsberger Allee 54, in der die „Sandbox“ stattfand, ist ein alter Berliner Fabrikkomplex aus rotem Backstein. Im Innenhof wurde ich bereits von mehreren Kunstinstallationen empfangen, aber das alte Gemäuer versprach Abkühlung. Der Aufstieg in den dritten Stock ließ zwar noch einige Schweißperlen kullern, aber die Ausstellung „Head“ der G11 Galerie entschädigte. Die Gruppenausstellung zeigte interessante Skulpturen und Installationen, leider waren die Namen der Künstler nicht erwähnt. Einige Zuordnungen waren mir nachträglich über einen Bildfund im Internet möglich. Eines dieser UAOs hatte es mir besonders angetan. Eine Skulptur, die aus Fundstücken zusammengefügt wurde. Ein Brett, das aussah wie vom Meer bearbeitet, auf den eine Metallkonstruktion angebracht war, die an ihrem Ende eine in üppige Linse hielt. Der geschliffene Glas-Diamant vergrößerte einen Vogelschädel. Vielleicht ein Sperling!? Schön auch die Ansammlung schwarzer Flaschenkürbise aus Ton von Bärbel Schulte Kellinghaus, deren Hälse bei näherer Betrachtung Penise waren.

Durch modrige Gänge und verrostete Treppen hinauf landete ich auf einer Empore, auf der sich eine überdimensionale Teekanne aus goldenem Draht und Glaskristallen drehte. Sie war natürlich noch von innen beleuchtet und von drei einfachen Tischen mit Stühlen umstellt. „Wo ist da das Konzept?“ entfuhr mir spontan, was dazu führte, dass meine sympathische Begleitung genauso spontan in Gelächter ausbrach. Das Ganze hieß „Is Stalin Alive?“

Zurück im Hof war es an der Zeit die Installationen und Projektionen näher zu betrachten. Erst einmal entspannen bei mehrmagda auf einer Bank hinter dem „kunstauto im Minikleid“, das im Inneren die wunderbaren Wandteller der Künstlergruppe „Tulip Art Project“ zeigte.

Die letzte Station war die Gruppenausstellung im Kunstraum Richard Sorge, die Bilder im Format 18 x 24 cm für einen Einheitspreis von 60,00 Euro anbot. Die Vielfalt der Techniken und Stile der Künstler waren geschickt präsentiert. Neben gemalten Oberflächen und Collagen fanden sich auch gestrickte und gestickte Bilder. Ich war anscheinend nicht die Einzige, die sich auf der Spurensuche von Piratinnen begeben hatte. Nachdem eine Dame neben mir die Entstehungsgeschichte der gestickten Bilder von mehrmagda vernahm, war ein Werk sofort erstanden. Beim Sticken zerstach sich die Künstlerin die Finger und sie musste die blutige Leinwand mit weißer Farbe abdecken.
Ich war begeistert!

noch laufende Ausstellungen:
„18X24“
bis 31. Juli 2010; Mittwoch bis Sonntag, 14:00 bis 18:00 Uhr
Kunstraum Richard Sorge, Landsberger Allee 54, 10249 Berlin-Friedrichshain
„HEAD“
bis 8. August 2010; Freitag 15:00 bis 18:00 Uhr, Sa. und So. 13:00 bis 18:00 Uhr
G11 Galerie, Landsberger Allee 54, 3.Etage, 10249 Berlin

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