TAG 1 Piratinnensuche auf Sylt

EXKURSION Erst einmal runter zum Meer. Meer ist toll! Da kann man nicht meckern, aber wo sind die angekündigten Longboard-Surfer? Das Schwarze, was da auf der Gischt rumdümpelt, liegt eher unsportlich platt auf dem Brett. Das Es keine tote Robbe ist lässt sich nur daran erkennen, dass es ab und zu mit den Extremitäten wackelt. Also erst einmal die touristischen Angebote im Infopoint auf Vorkommen von Piraten prüfen. Eine Piratenfahrt für Kinder. Grundsätzlich keine schlechte Idee, denn es kann nicht früh genug mit der Ausbildung angefangen werden, aber leider entpuppt sich das als schnöde Bespaßungsfahrt. Schade!

Sichtlich enttäuscht stolperte ich aus der Tür und geradewegs in einen Farbigen in einem grünen Rollkragenpullover. An seinem Hals prangte eine Kette mit groben Kristallen. Ein Gedanke schoss mir ins Gehirn: Voodoo auf Sylt!

HISTORISCHE ERZÄHLUNGEN Hexentanz und Hexenrache
Der Glaube an Hexen war lange auf Sylt lebendig, und es gab eine Vielzahl von Regeln, mit denen man sich und sein Haus vor ihnen schützen konnte. Vor allem mußte man darauf achten, daß keine Fäden mit Knoten im Weg lagen, da eine Hexenregel lautete: „Leg Knoten hin für jedermann, bring jeden, nur nicht dich zu Fall!“

Der Bruder, die hohe Düne auf Hörnum, war in alter Zeit als Tanzplatz der Hexen bekannt, besonders als die Fischer hier wohnten, Die wilden Fischer kümmerten sich nämlich nicht um die kirchlichen Gebote, sie hielten auch sonnabends Tanzvergnügungen ab, obwohl dies wegen der Sonntagsmesse allgemein verboten war.

Als sie nun eines Abends bei stillem Wetter und Mondschein die Mädchen von Rantum, Tinnum und Westerland zum Tanz geladen hatten und nach den Weisen einer verstimmten Fiedel oder einfach nach ihren rauhen Liedern in den Dünentälern herumhopsten, verfinsterte sich plötzlich der Himmel.Von Föhr und Amrum kamen zahlreiche Hexen auf ihren Besen angeritten, landeten auf dem Bruder und begannen einen lieblichen Reigentanz. Die Sylter Fischer waren davon so gebannt, daß sie nach und nach die Sylter Mädchen stehen ließen und mit den Hexen tanzten.

Darüber ärgerten sich die Sylter Mädchen sehr, ließen es sich aber nicht anmerken. Sie gingen durch die dunklen Dünen zu ihren Dörfern zurück und schmiedeten unterwegs finstere Rachepläne. Es gab nämlich auch unter den Sylter Mädchen einige, die das Hexen verstanden.

Und die Rache der Verschmähten war furchtbar! Eines der Mädchen hatte ein Faß mit Nägeln, versehen mit einem Hamburger Stadtwappen, am Strande gefunden. In aller Heimlichkeit wurde das Faß auf einem der Fischkutter versteckt. Die Fischer fuhren bald darauf hinaus auf See zum Seeraub und um zu fischen. Sie wurden von einer hanseatischen Kriegskogge aufgebracht und man untersuchte ihren Kutter. Dabei wurde das Faß mit den Nägeln gefunden und damit der scheinbare Beweis erbracht, daß die Fischer ein Hanseatisches Schiff beraubt hatten. Alle Unschuldsbeteuerungen halfen nicht, 74 Nägel waren im Faß, und ebenso viele Köpfe forderte das Gericht. So mußten im Jahr 1488 74 Sylter auf dem Grasbrook bei Hamburg ihr Leben lassen. Die Chronik erzählt, daß der Henker immer sechs Fischer zugleich niederknien ließ und binnen einer Stunde sein blutiges Geschäft erledigt.(Quelle: Sylt erzählt; Georg Quedens; Verlag Hansen&Hansen)

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