TAG 2 der Piratinnensuche auf Sylt

EXKURSION Heute ist Sonntag, und wenn man schon einmal in Westerland ist, wird das Kurkonzert auf piratisches Liedgut überprüft. Etwas frisch ist es schon, was die russischen Mucker jedoch nicht davon abgehalten hat, sich in ihre Hawaihemden zu schmeißen und „Route 66“ zu trällern. Angesichts der Hemdenwahl erwartete ich als nächste Nummer was von Elvis, so was wie „Viva Las Vegas“. Aber nein, nur deutscher Schlager, obwohl dieser russische Akzent hatte, schon wieder etwas. Gegenüber der Kurmuschel, im Kongresszentrum, lud der Sylter Bonschen-Hersteller zu einer bunten Matinée. Ein wenig aufwärmen war nicht verkehrt und immerhin war ein Piraten-Zauberer angekündigt. Nachdem er sich jedoch in einer ausgiebigen Vorstellung der Produktpalette verlor und dann noch den Chef auf die Bühne holte, war mir der Sinn nach Zauberei vergangen. Auf in die Natur, Richtung Wenningstedt und weiter zu den „Abessiniern“!

HISTORISCHE ERZÄHLUNGEN Die erste „Abessinierin“

Ohne Kleidung, wie in Urzeiten, wird heute in den im Volksmund „Abessinien“ genannten Strandbezirken gebadet. Das hat dazu beigetragen, die Insel Sylt bekanntzumachen.

Die erste „Abessinierin“ auf der Insel war aber kein Badegast, sondern eine Einwohnerin aus Rantum namens Ellen Mannis. Und das kam so: Am Strand waren Butterfässer angetrieben, und der Strandvogt hatte alle Hände voll zu tun, um die Fässer zu bergen, damit die Strandgänger keines fortholte.

Aber Ellen Mannis hatte ein Faß gefunden und war gerade dabei, ihre Beute in einem Dünenwinkel zu verstecken. Sie wollte sie im Schutz der Nacht heimholen. Da tauchte plötzlich in der Ferne der Rantumer Strandvogt auf, und nun war guter Rat teuer. Doch Ellen Mannis fand guten Rat! Sie zog sich rasch die Kleider aus und breitete diese über das Butterfaß.

Der Strandvogt erblickte die Frau und schöpfte Verdacht.Doch als Ellen die letzte Hülle fallen ließ, traute er sich nicht näher.Er blieb sittsam in einiger Entfernung stehen und rief: „Was treibst du da!?“ – „Ich nehme ein Sonnenbad und schüttle die Läuse aus meinen Kleidern.“

Der Strandvogt zog sich zurück. Ellen konnte später ihr Butterfaß in Sicherheit bringen. Wollte ein Strandvogt heutzutage mit gleicher Schüchternheit sein Amt verwalten, brächte er es während der Sommermonate am Strand zu nichts.(Quelle: Sylt erzählt; Georg Quedens; Verlag Hansen&Hansen)

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