Zurück vom Meer

BUCH Toll, ganz toll war das am Meer und gleich eine Buchempfehlung von mir für die feucht-kalte Jahreszeit von meinem schwedischen Lieblingsautor John Ajvide Lindqvist: „Menschenhafen“. Eine Geschichte über die menschliche Sehnsucht, dem schmerzhaften Prozess der Selbsterkenntnis, verwoben mit einer apokalyptischen Horrorvision, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt, und natürlich über das Meer!

„Über das Meer

Land und Meer
Wir könne uns vorstellen, dass sie sich als Gegensätze gegenüberstehen und einander ergänzen. Aber es gibt einen Unterschied darin, wie wir an Meer und an Land denken.

Wenn wir in einem Wald, über eine Wiese oder durch eine Stadt gehen, setzt sich die Umgebung in unseren Augen aus Einzelheiten zusammen. So und so viele verschiedene Baumarten in variierenden Größen, die und die Häuser, diese Straßen. Die Wiese, die Blumen, die Sträucher. Unser Blick verharrt bei Details, und wenn wir in einem herbstlichen Wald stehen, fehlen uns die Worte, sobald wir die Vielfalt, die uns umgibt, zu beschreiben versuchen. All das gibt es an Land.

Das Meer ist dagegen etwas völlig anderes. Das Meer ist eins. Wir können die schwankenden Stimmungen des Meeres bemerken. Wie das Meer aussieht, wenn es windig ist, wie das Meer mit dem Licht spielt, wie es sich hebt und senkt. Dennoch sprechen wir immer über das Meer. Wir haben den unterschiedlichen Teilen des Meers zum Zweck der Navigation und zur Benennung verschiedene Namen gegeben, aber wenn wir am Meer stehen, gibt es nur eins. Das Meer.

Wenn wir in einem kleinen Boot so weit draußen unterwegs sind, dass in keiner Himmelsrichtung Land in Sicht ist, können wir das Meer ins Auge fassen. Das ist keine angenehme Erfahrung. Das Meer ist ein blinder und tauber Gott, der uns umschließt und jede erdenkliche Macht über uns hat, ohne zu wissen, dass wir existieren.

Wir bedeuten weniger als das Sandkorn auf dem Rücken des Elefanten, und wenn das Meer Lust auf uns hat, wird es uns holen. Einfach so. Das Meer kennt weder Grenzen noch Rücksicht. Es hat uns alles gegeben, und es kann uns alles nehmen.

An andere Götter richtet sich unser Flehen: Beschützt uns vor dem Meer.“

(Quelle: John Ajvide Lindqvist: „Menschenhafen“; Bastei Lübbe; ISBN: 978-3-404-16538-4)

oder aus dem Mund des Autors

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