Karen Eliot – Piratin der Kunst

KUNST/ZUGEZWITSCHERT (Neoismus lebt!)

Chargesheimer-Stipendium 2012

Die Preisträgerin 2012 ist Karen Eliot

Begründung für die Preisvergabe: „Für Karen Eliot haben wir uns entschieden, da sie das Internet als neuen Kunstraum eröffnet, diesen virtuellen Raum in kritischer Weise erobert und besetzt. Sie verweist auf die Unkontrollierbarkeit von Vervielfältigungen, das Obsolete des Originals im Internet und hinterfragt die neuen Sozialen Netzwerke kritisch. Sie stellt die Frage, wie das Internet als künstlerisches Werkzeug in den Kunstbetrieb integrierbar ist und welcher neuen Anforderung dieses Medium bedarf. Die virtuellen Welten derer sie sich bedient, sei es Facebook oder Second Life, überführt sie in die reale Welt, geht somit einen Schritt weiter als „nur“ im Netz zu wirken.

Sie verweist auf reale Personen die hinter Avataren in Second Life stehen und prüft diese durch ständiges Rückkoppeln im virtuellen Raum auf deren Anwesenheit. Ein ehemaliger Offizier der British Airforce, den sie anonym über ein Internetforum kennenlernte, bleibt auch in der dreistündigen Performance anonym in der er mit verbundenen Augen in einem geschlossenen Raum auf seine eigenen Kommandos gehorchend marschiert und nur von den Wänden gestoppt wird. Sie hinterfragt Konsumverhalten indem sie als power_seller_08 Artikel auf eBay anbietet, deren Beschreibungen als Antiwerbung wirken, indem sie als Beschreibungstext des Artikels den Prozess dessen Herstellung in schockierenden Bildern zeigt, von Tierversuchen bis Kinderarbeit.

Die Werke Karen Eliots haben gesellschaftspolitisches Zündfeuer in sich, obwohl sie oft haptisch und visuell als künstlerisches Resultat sehr reduziert, dem Medium entsprechend, ausfallen – der Computer mit Netzanschluss, Tastatur und Maus als Ausstellungsraum.

Die Jury war beeindruckt von Eliots technischen Kenntnissen, dem fundiert recherchierten Hintergrundwissen und dem Mut zum Risiko. Ihr neues Arbeitsvorhaben beschäftigt sich mit der Open-Source-Thematik: Mit „Das Soziale Kunstwerk, ein Online-Experiment“ soll eine Plattform entstehen, die als freier Zugang zu Ideen dient, welche von anderen Künstlerinnen und Künstlern verwirklicht werden können. Es gibt keine Rankings, Kontrollfunktionen oder Userprofiles wie bei anderen sozialen Netzwerken wie Facebook. Diese Anonymität hebt die Autorenschaft auf und das Remixing als Charaktereigenschaft der Netzwerkgesellschaft kann so als künstlerisches Werkzeug integriert werden. Karen Eliot versucht durch diese Plattform zu hinterfragen, wie viel virtuelle Identität ein realer Mensch braucht, um sich repräsentiert zu fühlen und möchte Funktionsweisen von Sozialen Netzwerken in Bezug auf allgemeine gesellschaftliche Strukturen hin untersuchen, den Open Source Gedanken auch auf die individualisierte Kunstwelt zu transformieren und eine Utopie eines neuen sozialen Netzwerkes zu realisieren. So wendet sie sich von den zuvor partizipatorischen Netzkunst-Projekten kollaborativen Arbeiten zu, die erst durch die weltweite Vernetzung möglich sind: die Vernetzung von virtuellem, realen und Kunstraum.

Das Pseudonym Karen Eliot wird seit 1985 von verschiedensten Künstlerinnen und Künstlern auf der ganzen Welt benutzt. Die entstehenden Kunstwerke erschaffen einen gemeinsamen Werkkörper, der keiner einzelnen Person zuzuordnen ist und so in Anonymität aufgeht.“ (Evamaria Schaller für die Jury)

Preisverleihung und Ausstellung
Da es sich bei Karen Eliot um eine virtuelle Persönlichkeit handelt, deren Kunst im Internet stattfindet, erfolgt weder eine offizielle Preisverleihung noch eine Ausstellung der Werke. Sie selbst sagt dazu: „Ich bin nicht eine Person, wir sind viele. Wenn Karen Eliot einen Preis gewinnt, gewinnt diesen jeder, der Karen Eliot ist, war, oder in Zukunft sein wird. Jeder, der will, kann also meine Stelle einnehmen und unter meinem Namen Interviews geben, Werke veröffentlichen, Ausstellungen machen. Karen Eliot war schon „berühmt“, lange bevor ich Karen Eliot wurde, und ihr Lebenswerk spiegelt sich darin, immer wieder von jungen Künstlerinnen und Künstlern adaptiert und weiterentwickelt zu werden. Wer etwas zu sagen hat und eine Stimme braucht, hat hier die Möglichkeit, einmal auf seine persönliche Reputation zu verzichten, dafür aber laut zu sein.“

Projekte und Informationen zu Karen Eliot: www.kareneliot.de

Quelle: Chargesheimer Stipendium, Stadt Köln 2012

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2 Antworten zu Karen Eliot – Piratin der Kunst

  1. genoland schreibt:

    „gefällt mir“ – „like“ – vor allem die projekte finde ich interessant.
    mein geschmack getroffen.
    gruss geno

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